Vor gut 100 Tagen hat Prof. Dr. Tobias Engelsleben das Amt des Rektors unserer Hochschule übernommen. Zeit für eine erste Zwischenbilanz: Im Gespräch teilt er seine Eindrücke und spricht über Herausforderungen und Visionen sowie darüber, was ihn in den ersten Monaten an der HFM besonders bewegt hat.
Herr Engelsleben, wie haben Sie Ihre ersten 100 Tage als Rektor erlebt?
Kurz nach Amtsantritt gab es eine große und feierliche Begrüßung mit allen Kolleginnen und Kollegen anlässlich der Amtsübernahme von Herrn Prof. Heitzer. Hierüber habe ich mich sehr gefreut. Dann ging es aber auch schon mit Hochgeschwindigkeit los – bekanntlich folgte im November eine Sitzung auf die nächste. Die Sparkassenwelt und unsere HFM sind in vielfältige Gremienstrukturen eingebunden. Es war schon eine gewisse Herausforderung, hier am Anfang Orientierung zu gewinnen. Dazu kam natürlich das Kennenlernen der Lehrkräfte und aller weiteren Mitarbeitenden wie auch der Menschen im direkten Umfeld der HFM. Zwar ist die HFM selbst nicht besonders groß, dennoch braucht es ein bisschen, um die Arbeitsprozesse, die Abteilungen und die Arbeitsteiligkeit zu verstehen.
Ein Highlight waren zwei arbeitsintensive und zugleich erfahrungsreiche Tage bei der Vorständetagung der Sparkassen-Finanzgruppe in Berlin. Unser Auftritt dort hat viel Sichtbarkeit für unsere praxisnahen Studien- und Weiterbildungsangebote bewirkt.
Mit welchem Anspruch sind Sie in Ihr neues Amt gestartet?
Meine Ambitionen sind durchweg davon geprägt, dass ein Bildungsdienstleister niemals verharren darf. So schnell, wie sich verfügbares wie auch beruflich benötigtes Wissen weiterentwickelt, so schnell müssen sich auch Hochschulen weiterentwickeln. Zu Recht darf man von einer guten Hochschule erwarten, für zukünftige Anforderungen zu qualifizieren – wiederkehrend aktuell mit dem Schlagwort Future Skills belegt.
Ich möchte der HFM programmatische Weiterentwicklungsimpulse geben, aber auch einen Beitrag nach innen leisten, dass wir unsere Strukturen, Prozesse, Abteilungen kontinuierlich an die sich wandelnden Anforderungen anpassen. Mein Anspruch ist, dass die HFM die Nummer 1 für alle akademischen und managementbezogenen Qualifizierungsbedarfe der Sparkassen-Finanzgruppe ist. Die Basis hierfür ist unser hoher Qualitätsanspruch an unsere Bildungspalette, sei es im Studienangebot, bei der Weiterbildung, den Symposien oder der Content-Erstellung. Auch zeigen sich unsere Teilnehmenden, Absolventinnen und Absolventen überwiegend sehr zufrieden mit unseren Angeboten. Darauf lässt es sich hervorragend aufbauen.
Unsere HFM hat eine spezifische Position in der Wettbewerbslandschaft. Wir sitzen auf einem hauseigenen Schatz: Eine Unternehmensgruppe mit so viel Potential, eine absolut hinreichende Zahl studierwilliger Azubis, ein fachkompetentes Professorium, Hingabe und Leidenschaft bei der Gestaltung unserer Bildungsangebote. Wir sind alle gemeinsam gefordert, noch mehr daraus zu machen. Dadurch formen wir eine gefestigte Position einer Hochschule mittlerer Größe, mit branchenspezifischer wie auch generalistischer Ausrichtung im Feld ökonomischer und angrenzender Studiengänge, die mutig Bildungsinnovationen erschließt und Ausbildungsbedürfnisse nicht nur abdeckt, sondern auch aktiv definiert und zukunftsorientiert gestaltet.
Wie verändert sich der Bedarf an Qualifizierung für Fach- und Führungskräfte?
Es ist keine neue Erkenntnis mehr, dass im Gegensatz zu früher ein einmal erlangter akademischer Abschluss für die restliche berufliche Laufbahn von 30 bis 40 Jahren nicht reicht, um immer oben mitschwimmen zu können. Der Wissenszuwachs erfolgt exponentiell, aber auch der Zugang zu Wissen und die Möglichkeit, sich auf Basis persönlicher Motivation auch bei schwierigen Lebensverhältnissen bilden zu können, haben sich erfreulicherweise deutlich verbessert.
Fachwissen allein allerdings ist nicht mehr die einzige oder zentrale Komponente für Aufstieg und beruflichen Erfolg. Metakompetenzen, Resilienz, Empathie, Data Literacy, um nur einen kleinen Ausschnitt zu benennen, werden in den Bildungsbiographien von immer größerer Bedeutung sein. Lernen „on the job“ wird ebenfalls wichtig bleiben, muss aber künftig durch gezielten Kompetenzerwerb an Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen passgenau ergänzt werden. „Lebenslanges Lernen“ und die HFM sind grundsätzlich gut in der Bildungsarchitektur der Sparkassen-Finanzgruppe etabliert.
Welche Themen werden Ihrer Meinung nach für Hochschulen in den nächsten Jahren besonders wichtig?
Lernen im Semesterverbund, Ablegen von Prüfungen mit einer Kohorte Mitleidender, der Hörsaal mit frontaler Wissensbeschallung, all das entspricht nicht mehr den Anforderungen an die Bildung der Zukunft. Standardlehrbuchwissensvermittlung? Das macht künftig die KI oder ein humanoider Roboter. Besuch der Bibliothek? Schöne Nostalgie aus meiner Studienzeit im letzten Jahrhundert. Wissenserwerb verlagert sich vom Hörsaal in die U-Bahn. Arbeitsgruppen treffen sich online. Hausarbeiten? Keine wirklich geeignete Prüfungsform in Zeiten von large language tools wie chatGPT. „Vom Kohortenverbund im Hörsaal“ zu individualisierten Lernbiografien – diese Entwicklung wird große Fragen für etablierte Hochschulmodelle aufwerfen. Didaktisch-methodisch wird viel stärker die Erfassung des individuellen Lernfortschritts wichtig werden und die algorithmen-basierte, automatisierte Darbietung von Trainingsszenarien, um den Lernerfolg zu verbessern – alles eingebettet in vollständige Learning Analytics Systemumgebungen, bei denen die Lehrkraft auf Knopfdruck Lernstände und Lernbefassung der Gruppe ermitteln und bewerten kann.
Distance Learning wird weiter an Zuspruch gewinnen, weil es nicht unbedingt besser, aber praktischer und oft preiswerter ist. Hier hat unsere HFM bereits heute viel zu bieten.
Bitte vervollständigen Sie:
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