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Finanzielle Bildung: Masterarbeit und Fachbeitrag in der ZfgK

Julia Steven, Master of Business Administration, hat am Lehrinstitut mit MBA ihren Abschluss gemacht. Ihre Masterthesis hat sie bei Prof. Dr. Denis Bagbasi verfasst. Empirische Analyse der Auswirkung ausgewählter Effekte der Behavioral Finance auf die Bedeutung finanzieller Bildung im Kontext finanzieller Entscheidungen. Auf Basis der Masterthesis ist in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen ein Fachbeitrag von Julia Steven und Denis Bagbasi erschienen.

Das Bundesfinanzministerium hat bereits im Jahr 2024 eine nationale Finanzbildungsstrategie angekündigt und den aktuellen Stand der Finanzbildung sowie bestehender Bildungsangebote in Deutschland erhoben. Der Kern der Strategie: Mehr Wissen kann zu finanziellem Wohlergehen führen. Ein Beispiel zur Förderung des finanziellen Wohlergehens ist die kürzlich beschlossene Frühstart-Rente für Kinder, um bereits in jungen Jahren für das Alter vorzusorgen.

Vor diesem Hintergrund beschäftigte Julia Steven sich in ihrer Masterthesis mit der Fragestellung „Schmälern verhaltenswissenschaftliche Phänomene – konkret Verlustaversion und Mitläufereffekt – den positiven Einfluss finanzieller Bildung auf Anlageentscheidungen?“

Julia Steven führte eine quantitative Online-Befragung mit rund 300 Teilnehmenden durch. Die empirische Studie zeigt, dass mehr Wissen nicht automatisch zu durchdachteren Finanzentscheidungen führt. Emotionale Faktoren, insbesondere Verlustängste, können die positiven Effekte finanzieller Bildung auf Anlageentscheidungen erheblich schmälern. Julia Steven kommt zu diesen drei zentralen Ergebnissen:

  • Verlustaversion schlägt Wissen: Finanziell gebildete Menschen treffen schlechtere Anlageentscheidungen, wenn sie zu Verlustängsten neigen. Besonders betroffen: Frauen (64 % vs. 41 % bei Männern) und Alleinstehende mit Kindern (fast 70 %). Ältere Personen neigen weniger zu Verlustängsten.
  • Mitläufereffekt weniger schädlich als erwartet: Der Mitläufereffekt beeinträchtigt die Qualität der Anlageentscheidungen bei finanziell gebildeten Teilnehmern nur unwesentlich; Frauen und junge Menschen sind eher affin für den Mitläufereffekt – ein überraschender Befund, der die Differenzierung emotionaler Einflussfaktoren unterstreicht.
  • Alter, Geschlecht und Lebenssituation als Risikofaktoren: Die finanzielle Bildung ist bei Männern (94 %) deutlich stärker ausgeprägt als bei Frauen (83 %). Haushalte mit Kindern und ältere Personen treffen tendenziell schlechtere Anlageentscheidungen.

Aus ihrer Studie leitet Julia Steven konkrete Handlungsempfehlungen ab: Finanzberatung sollte emotionale Aspekte systematisch aufgreifen, Bildungsangebote müssen neben der rein kognitiven Wissensvermittlung auch emotionale Aspekte in Abhängigkeit der Lebenssituation aufgreifen und Produktgestaltungen sollten an die Zielgruppe angepasst sein– etwa durch vereinfachte Einstiegsportfolios, die den Zugang zum Kapitalmarkt erleichtern.

Das Fazit der Masterarbeit lautet: Finanzbildung wirkt – aber nicht isoliert. Wer die Qualität finanzieller Entscheidungen nachhaltig verbessern will, muss Kognition und Emotion zusammen denken. Für den Finanzdienstleistungssektor bedeutet das: Beratung, Bildung und Produkte müssen die emotionale Realität der Anleger ernst nehmen.

Auf Basis der Masterthesis ist in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen ein Fachbeitrag erschienen.

Zum LinkedIn-Profil von Julia Steven.

Zum Profil von Prof. Dr. Denis Bagbasi auf dieser Website.

 

Auf dem Bild zu sehen: Prof. Dr. Denis Bagbasi (links) und Julia Steven, Master of Business Administration (rechts).