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Wenn KI den Nachhaltigkeitsbericht schreibt und prüft: Fachbeitrag in der WPg
Mit der europäischen CSRD-Richtlinie ist Nachhaltigkeitsberichterstattung von der freiwilligen Kür zur prüfungspflichtigen Pflicht geworden. Künstliche Intelligenz hilft Unternehmen und Banken längst beim Sammeln von Daten, beim Formulieren von Texten und beim Bewerten von Risiken. In der Fachzeitschrift WPg – Die Wirtschaftsprüfung warnen Prof. Dr. Maik Grabau und Thomas Witt jedoch: Wer KI für ein neutrales Werkzeug hält, übersieht vier Risiken, die gerade Banken und deren Abschlussprüfer betreffen.
Die Illusion der Neutralität. Die Ergebnisse von KI-Modellen wirken zwar objektiv, beruhen aber auf Trainingsdaten, Gewichtungen und Zielvorgaben. Welche Kennzahlen zählen, welche Schwellen gelten und welche Risiken als wesentlich erscheinen, bleibt jedoch eine menschliche und normative Entscheidung.
Sprachliche Gleichmacherei. Generative KI bevorzugt wahrscheinliche, bereits gängige Formulierungen. Berichte ähneln sich dann stilistisch immer mehr, ohne dass echte Unterschiede in Strategie oder Ambition erkennbar bleiben. Weil viele Marktteilnehmer dieselben Modelle nutzen, gleichen sich auch Risikoeinschätzungen an – ein gefährlicher Gleichschritt, der Krisen verstärken kann. Für Prüfer wird es schwieriger zu erkennen, ob ein Bericht Substanz hat oder nur sprachlich regelkonform wirkt.
Das Soziale fällt hinten runter. Besonders kritisch ist zudem ein Bias zugunsten gut messbarer Umweltdaten. KI-Modelle bevorzugen quantitative Informationen. Emissionen oder Energieverbrauch lassen sich leichter quantifizieren als Arbeitsbedingungen, Menschenrechte oder Lieferkettenprobleme. Dadurch könnten soziale Risiken systematisch unterschätzt werden.
Der doppelte Aufwand. Berichtspflichtige erzeugen mit KI narrative Berichte, die anschließend von Banken, Investoren oder Aufsichtsbehörden wieder maschinell in Daten zurückverwandelt werden. Eine aufwändige (ineffiziente) doppelte Transformation. Zudem erzeugt diese doppelte Transformation auf beiden Seiten zusätzliche Kontroll-, Dokumentations- und Prüfpflichten.
Das Fazit der Autoren: Nachhaltigkeitsberichterstattung wird künftig immer stärker zur Daten-, IT- und Modellprüfung. Prüfer müssen nicht nur Ergebnisse plausibilisieren, sondern auch verstehen, wie KI-Systeme zu diesen Ergebnissen kommen.
Zum vollständigen Artikel auf der Website des Verlags (der Artikel ist nicht frei verfügbar).
Im Bild zu sehen: WP/StB Thomas Witt, Leiter der Prüfungsstelle beim Sparkassenverband Baden-Württemberg (links) und Prof. Dr. Maik Grabau, Hochschule für Finanzwirtschaft & Management (rechts)